Gedanken zum Sonntag

(Gemeindebrief März 2017

Schluss jetzt. Jetzt reicht es.

Nein, das ist nicht politisch gemeint, obwohl es da vielleicht manchmal auch ganz angebracht wäre. Ich dachte vielmehr ans Wetter. Trotz des schönen Winterwetters, irgendwann reicht es. Irgendwann haben wir in unseren Breiten genug vom Winter.  Dann sehnen wir uns wieder nach Wärme und  nach dem Frühling. Was uns im Hinblick auf die Jahreszeiten so leicht gelingt, ist in anderer Hinsicht viel schwerer. Zu merken,  dass ich genug habe. Woran merke ich, dass es genug ist? Dass es reicht? Bei meiner Kleidung zum Beispiel. Meine Schränke sind voll. Und dennoch fällt es mir schwer, reduzierten Preisen zu widerstehen. Manchmal kaufe ich etwas, weil es günstig ist und nicht, weil ich es brauche. Weil es mir einfach schwerfällt zu sagen: ich habe genug. Ich brauche nichts mehr. Es reicht. Oder beim Essen. Es fällt schwer, sich an einem Büffet den Teller nicht zu voll zu laden. Mir zumindest fällt es schwer. Und dann esse ich viel zu viel. In einer Rateshow kam jetzt ein Restaurant vor, bei dem man sich nur so viel nehmen darf, wie man auch isst. Und wer etwas übrig lässt, der muss zahlen. Wer sich zu viel nimmt, spendet am Ende für einen guten Zweck. Der Restaurantbesitzer möchte auf diese Weise verhindern, daß Lebensmittel weggeworfen werden. Oder zumindest dazu beitragen, daß nicht ganz so viel übrig bleibt. Was für eine gute Idee. Und so einfach umzusetzen. Vielleicht findet er ja Nachahmer bei anderen Restaurantbesitzern. Die Zeit vor Ostern, die Passionszeit, ist in der Kirche traditionell die Zeit, in der wir uns fragen: Wie viel brauche ich? Wann ist es genug? Worauf kann ich verzichten? So machen es zumindest die Menschen, die sich vor Ostern an der Evangelischen Aktion „Sieben Wochen ohne“ beteiligen. Wovon er genug hat und wann, entscheidet jeder selbst. Das ist evangelische Freiheit. Niemand sagt uns: Das ist jetzt zu viel. Niemand redet uns rein, bevormundet uns. Nein, das müssen wir schon selber merken. Deshalb tut  ein Verzicht zur Probe so gut.  Versuchen Sie es mal.
Sicher werden Sie dabei auch merken: Ich brauche gar nicht so viel. Ich komme mit weniger aus, als ich dachte. Und diese Erfahrung vermittelt ein gutes Gefühl. Es ist ein erhebende Erfahrung, wenn ich merke: Ich habe genug. Es reicht. Genug zu essen. Genug zum Anziehen. Genug zum Leben. Ich brauche nicht noch mehr. Und diese Erfahrung macht dankbar. Gerade die richtige Einstimmung, für die Osterzeit. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Ostern, Ihr Pfarrer   Klaus Willms

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Evang. Kirchengemeinde-Waldsiedlung